115
wenig Rhats hören vnd folgenn solle. Wölichs wir dan neben anderm eingebrachten bericht zu hochstem schmertzen vornommen, Jn erwegung das wir in mutterlicher hoffnung gestanden, dein L. solte vnsern so müntlichen vnd schrifftlichen ermanungen, Sonderlich in ietzigem Jamer vnd ellendt, darin dein l. sietzet, gehorsame volge geleistet habenn Vnd Gott den allmechtigen vmb gnad vnd vorzeihung begangner Sunde angeruffen habenn. So mussen wir aber taglich deiner L. vnzuchtig vnwesendtlich hallten also wehmutiglichen Je lenger vnd mer anhörenn, Darab wir dan vnser hochste bekhummernus tragenn vnd wunschen, da dein L. sich nit bessern vnnd zu Rheue vnd büzs greiffen will, der allmechtige Gott dieselb zeitlich gottseliglich aus disem lebenn nehmmenn vnd ferrnerm Spott vnd leidt, so vns vnd der gantzen freundtschafft aus deiner L. vnrichtigen lebenn zuerfolgenn, vorkhomen wolle. Dann wie gantz betrubt vns all vnser hertz gemuht vund gedanckenn werdenn, wan wir erfaren, Das dein L. in so vorweislichen lebenn wandert, Das kan iedes frommen hertz ermessenn. Ydoch getrosten wir vns hinwider, Das wir an vnser mutterlicher straff vnd erinnerung gegen deiner L. niemals was winden lassenn, Jnmassen wir dein L. abermals vnd ietzo zum hochsten vnd ernstlich vormanen thun, Dein L. wolle doch die Straff des allmechtigen Gottes forchtenn vnd nit so sicher lebenn, Auch deiner L. Rhaten in sonderheit des vorordneten Stathalters Dieterich behrs geheis iederzeit gelebenn, sich darwider nit stellen in kein weis noch weg. Dan wir vns warlichen sunst bey vnsern koniglichen wurdin vnd glaubenn deiner L. gentzlichen entschlagen vnd Jm wenigsten nit annemmen wollen, Vnd soll also dein L., da sie disem vnserm Rhatt nit volgen wirt, Jederzeit ein vngnedige frav Mutter habenn vnnd vns weder zu haus noch zu hoff khommen, vilweniger bittenn bey der koniglichen wurde was auszubringen oder zu befurdern, Sunsten musten wir an iehnigem tag darfur rechung gebenn, vnd weren ein vorhengnus Deiner L. bösen vnchristlichen lebens. Da sich aber dein L. furstlicher tugendt vnd gutter sitten befleisiget vnd in allem derselbenn getrewen Rhaten volget, Wollen wir deine L. mit vnserm Mutterlichen vorschub vber hieuorige erzeigte lieb vnd trev bey der Konigl. w. hochgedacht nit vorlassenn, Wie wir auch ietzo zum vberflus bey Irer L. doch allein den armen vnderthonen zum besten muterliche ansuchung gethonn, ohne vorzug Deiner L. vnderthonen mit 50 last Roggen zuentsetzenn, vorhoffentlich vnser so vleisig beschehen bitt vnfruchtbar nit entstehn werde. Was dan also deiner L. von Jrer Konigl. w. zum vortheil geleistet wirt, Soll dein L. wissenn, Das solichs alles aus vnser befurderung geschehen, Das wir dann auch hinfurter wurklich thun wollen, da wir deiner L. gutte neigung gegenn dem gottlichen wort, eisserliche zucht vnd erbarkeit erspirenn, vnd dessenn von deiner L. Rhatten vorstendigt werden. Jm fahl aber dein L. in solichem vnordentlichen wesen vortfahren wirt, Als soll dein L. vnser mutterlicher liebe gentzlich entraubt sein vnd sich vnserer Trev im wenigsten getrostenn. Das wir deiner L. hiemit zur nachrichtung aus mutterlicher trev hertziger liebe nit I B. 2 H. (1853). 15