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prinz ausz Dennemarck solte in dieser groszen competenz mediator sein und dasz die religion daran nicht hindern würde, man solte den printzen nur her und ihnen in die hende geben, sie wolten woll mit ihme zurecht kommen; es wehre endlich ja noch beszer mit den Lutheranern alsz mit den Calvinisten und anderen dissidenten zurechte zu kommen; er könne zwar bey so gestalten sachen nichtes versprechen, doch wolle er mit dem feldherrn reden, sobald derselbe nur zu Warschau ankommen würde. Alsobald nach dieser visite begunten die gemüter und das gantze werck wieder lebendig zuwerden, und reisete hierauff der vntercantzler noch vor ankunfft des feldherrn von Warschau weg mit dem vorgeben, sich auff seinen landgütern einige tage zu recreiren; man hat aber gemuthmaszet und schier sichere nachricht gehabd, dasz er zum feldherrn gezogen und sich mit deme besprochen. Jn wehrender seiner abwesenheit kahm ein gentilhomme, nahmens Haudevil, ein Frantzos von nation, zu dem herrn Sehestet zur taffel mit dem cammerjuncker Felgenhawer; dieser Haudevil liesz sich zimlich ausz in discoursen, und sprach dem herrn Sehestet ein gewaltig hertz ein, wiewoll der herr Sehestet anfangs nicht wuste, wer dieser war, bisz er hernach erfuhr, dasz er beym cronfeldherrn wie auch beym Littawischen cantzler, welche sonsten die besten freunde nicht seind, alles vermöchte und gleichsam beyder augapfel wehre. Sonsten aber war er der Frantzösischen faction nicht sehr zugethan, weil er für diesem rudement in Franckreich disgoustiret und lange zeit mit der Bastille gequelet worden. Jn summa, die sache war alle tage anzusehen wie ein liecht, welches bald erleschen will, bald aber wieder einen newen blasz von sich giebet und sich erholet. Die von der parthey begunten sich algemach wieder zu recolligiren, und hörete man alle tage allerhand discoursen, insonderheit lieszen sich einige der weltlichen verlauten: es wehre eine thorheit einen braven printzen und hingegen eine crone zu quitiren umb der pfaffen willen, die man hierin nicht müste rathen laszen; es wehre eine stats- und keine religionssache; der printz ausz Dennemarck wehre der beste unter allen für Pohlen, und sie wolten sich für ihme martern laszen; man müste das pfaffengeschwetz in dieser sache beyseit setzen, die pfaffen könten - einen braven herrn woll umb, aber nicht soleicht wieder zu einer cronen bringen; es wehre nur pfaffenwerck an beyden seiten, und würde dieser printz darumb scepter und cron, worumb andere sich so sawer werden lieszen, nicht fahren laszen, es wehre dan, dasz es bey ihme an leuten fehlete, die ihme ein hertz einsprechen; man könte zwar seinen leuten nicht vordenken, dasz sie ihme nicht zu diesem werke riethen, ausz beysorge, dasz wan es anders gienge, ihnen hernacher die schuld beygemeszen würde; aber vordenken könte man sie woll, dasz sie jetzo nicht bedächten, noch dem printzen zu gemüthe führeten, was für eine herliche occasion von grandeur er in henden hatte, noch wie leicht und bald dieselbe könne verlohren und hernachmals nimmer wieder erlanget werden; sie stelleten ihme vieleicht woll für augen die schwerigkeit, nicht aber die groszen avantagen, die er mit dieser cron erlangen würde; sie mahleten ihme vieleicht die Polnische cron ab wie ein grewliches labirinth, und gedechten nicht, das hernachmals, allererst wan die crone verseumet und auff 26*