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Side:Karl Verner - Afhandlinger og breve.djvu/105

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KARL VERNER.

z. b. in goth. gredu-s „hunger“ neben altind. grdh-yati „er ist gierig nach“, goth. dauhtar „tochter“ neben altind. duhitar dss., goth. bindan „binden“ neben altind. wz. bandh. dss. u. a. Anderseits erschienen dieselben germanischen tönenden explosivae (g, d, b) in vielen fällen nicht als responsionen der indogermanischen aspiratae, wie zu erwarten wäre, sondern als responsionen der indogermanischen tonlosen explosivae (k, t, p), so z. b. in germ. tegu- „dekade“, das mit idg. dakan „zehn“ zusammenhängt, in germ. modar idg. mâtar, ahd. ebar = lat. aper, goth. bairand „sie tragen“ = altind. bharanti u. s. w.

Die erste klasse ausnahmen wurde aber bald nachher von Grassmann beseitigt. In seinem bekannten aufsatze im 12. bande dieser zeitschrift „Ueber das ursprüngliche vorhandensein von wurzeln, deren anlaut und auslaut eine aspirate enthielt“, weist er nach, dass die von Lottner angeführten anomalien nur scheinbar sind, indem wir im altind. grdhyati, duhitar, bandh u. dgl. nicht den ursprünglichen indogermanischen anlaut haben, der vielmehr, was eine vergleichung mit anderen indogermanischen sprachen bezeugt, eine aspirata war, wodurch die tönende explosiva in den germanischen formen völlig gerechtfertigt wird.

Die zweite, im vergleich mit der ersten sehr umfangreiche klasse von ausnahmen bei Lottner lässt sich auf solche weise nicht wegräumen. Hier liegt wirklich ein verstoss gegen die lautgesetze vor, und die schuld fällt augenscheinlich ausschliesslich auf das germanische. Der unregelmässige lautübergang kommt nur im inlaute und dann nur bei tönender nachbarschaft vor. Ich gebe einige beispiele dieser unregelmässigen verschiebung mit verschiedenen lautstellungen im inlaute: