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EINE AUSNAHME DER ERSTEN LAUTVERSCHIEBUNG.
Germ. b = idg. p. Germ. seban „sieben“ (goth. sibun, an. sjau, as. ahd. sibun, siban, ags. seofon) = altind. saptan, ἑπτά, septem. Dagegen mit regelmässiger verschiebung: germ. nefan- m. (die germ. grundform ist mit f anzusetzen nach ahd. nevo „neffe, schwestersohn, oheim, verwandter“; an. nefi, ags. nefa); vgl. altind. napât- m. „nachkomme, enkel“, lat. nepôt-.
Aber diese differenzirung der ursprünglichen tonlosen explosiva findet nicht nur, wie in den obigen beispielen, bei von verschiedenen wurzeln herrührenden bildungen statt; auch innerhalb der zu derselben wurzel gehörigen wortbildungen erscheint sie sehr häufig, so dass die einen ableitungen im germanischen wurzelhafte tonlose fricativa, die andern wurzelhafte tonende explosiva aufweisen. So findet sich neben germ. tehan „zehn“ (goth. taihun, an. tíu, as. tehan, ags. tŷn, ahd. zehan = altind. daçan, δέκα, decem) ein substantiv tegu- m. „zehner“ (goth. tigu-, an. tig-r, tug-r, ahd. -zig, -zog); neben germ. hauha- „hoch“ (goth. hauha-, an. há-r, as. hôh, ags. heúh, ahd. hôh) ein hauga- m. „hügel“ (an. haug-r, mhd. houc, g. houges); neben teuhan „ziehen“ (goth. tiuhan, as. tiohan, ahd. ziohan = lat. dûco) germ. tuga- „zug“ (an. tog n., ahd. zug m.), germ. taugi- f. „strick“ (an. taug f., ags. teág) und germ. haritugan- m. „heerführer“ (an. hertogi, as. heritogo, ags. heretoga, ahd. herizogo), neben germ. fanhan „fangen“ das subst. fanga- „fang“ (an. fang n., ahd. fang m.); neben germ. slahan „schlagen“ (goth., as., ahd. slahan, an. slá, ags. sleán) germ. slaga- „schlag“ (an. slag n., ags. slagu f., ahd. slaga f.); neben ahd. swehur m. und ags. sveor m. „schwäher, schwiegervater“ (= altind. çvaçura-, ἑκυρό-ς, socer, asl. svekrǔ, lit. szeszura-s) ahd. swigar f., ags. sveger f. „schwiegermutter“ (= altind. çvaçrû, ἑκυρά, socru-s, asl. svekry); neben an. flá von *flahan „die haut abziehen“ an. flaga schw. f. „schicht“