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KARL VERNER.
und flagna „losgehen (die haut vom fleisch)“; neben germ. felhan „verbergen“ (goth. filhan, an. fela, ahd. felahan) goth. fulgina- „verborgen“ und an. fjalg-r in zss. „safe, well kept“, u. a. - In der dentalen reihe haben wir z. b. goth. hinþan „fangen, gefangen nehmen“, schwed. hinna st. v., dän. dial. hinne „erreichen“ neben dem damit zusammenhängenden germ. handu- „hand“ f. (goth. handu-, an. hönd, as. hand, ags. hond, ahd. hant, hand); germ. finpan „finden“ (goth. finpan, an. finna, as. fîðan, ahd. findan) neben an. fund-r, stamm fundi- m. „zusammenkunft “; goth. fraþjan „verstehen, verständig sein“ neben germ. frôda- „verständig“ (goth. froda-, an. fróð-r, as. ags. frôd, ahd. fruot); germ. lîpan „gehen“ (goth. leipan, an. líða, as. lîðan, ags. liðan, ahd. liðan) und lipu- m. „glied“ (goth. lipu-, an. lið-r, ags. lið, ahd. lid) neben 101 germ. laidjan „leiten“ (an. leiða, as. lêdian, ags. lædan, ahd. leittan) und laida- f. „weg“ (an. leið, ags. lâd); goth. sopa- m. „sättigung“, ga-sopjan „sättigen“ neben germ. sada satt“ (goth. sada-, an. sað-r, as. sad, ahd. satt = asl. syté; vgl. lat. satur, sat, satis) u. a. In der labialen reihe sind f und 6 durch secundäre lautbewegungen in den meisten germanischen sprachen in einen laut zusammengeflossen, was die ursprünglich dagewesene differenzirung verwischt hat. Aus dem gothischen, das ebenso wie das althochdeutsche die zwei laute aus einander gehalten hat, kann angeführt werden: af-lif-nan „übrig bleiben“ neben laiba- f. „überbleibsel“. Ueberschaut man die angeführten beispiele, so mag. man leicht in versuchung kommen, diese ganze differenzirung der ursprünglichen tonlosen explosiva für eine laune der sprache zu erklären, das erscheinen der tönenden explosiva in vielen fållen, wo die tonlose fricativa zu erwarten wäre, lediglich einem blossen zufalle zuzuschreiben. Liegen doch, um noch ein frappantes beispiel