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EINE AUSNAHME DER ERSTEN LAUTVERSCHIEBUNG.
beizubringen, den drei gleichförmig gebildeten indogermanischen verwandtschaftsnamen bhrâtar, mâtar, patar die germanischen responsionen brôpar, môdar, fadar gegenüber, ohne dass es abzusehen ist, warum môdar und fadar dem regelmässig verschobenen brôþar nicht gefolgt sind. Bei der annahme eines zufalls darf man jedoch nicht beharren. Freilich kann die vergleichende sprachwissenschaft den zufall nicht ganz in abrede stellen, aber zufälligkeiten en masse wie hier, wo die fälle der unregelmässigen verschiebung im inlaute beinahe eben so häufig sind wie die der regelmässigen, kann und darf sie nicht zugestehen. Es muss in solchem falle so zu sagen eine regel für die unregelmässigkeit da sein; es gilt nur diese ausfindig zu machen. Stellen wir vorerst den lautlichen vorgang klar. Dass die germanische tonlose fricativa direct aus der indogermanischen tonlosen explosiva durch lockerung des mundcanalverschlusses hervorgegangen ist, darf man wohl annehmen. Dagegen kann die germanische tönende explosiva nicht auf directem wege durch mittönen der stimme aus der indogermanischen tonlosen explosiva entstanden sein, denn dies würde ein lautübergang sein, der gerade gegen die hauptrichtung der lautverschiebung, die aus der indogermanischen tönende explosiva eine tonlose explosiva hervorbrachte, gehen würde. Man muss also auf umwegen von der tonlosen explosiva zur tönenden 102 explosiva zu gelangen suchen, und es bietet sich dann am nächsten Scherer's erklärung in dem schönen abschnitte über die lautverschiebung (Geschichte der deutschen Sprache, s. 82) dar: „Ich nehme nun an, dass sämmtliche unregelmässig verschobenen Tenues zuerst regelmässig in tonlose Spiranten verschoben wurden, dass diese namentlich in häufiger gebrauchten Wörtern (wie fadar; môdar) unter dem Einfluss der umgebenden